- die Suche nach Entlastung auch nicht.
Fachkräftemangel ist in aller Munde. Unternehmen suchen nach qualifizierten Mitarbeitenden, Stellen bleiben unbesetzt, und bestehende Teams geraten unter Druck. Wie lässt sich die anstehende Arbeit bewältigen, wenn zusätzliche Hände fehlen?
Die Frage ist älter als die Digitalisierung. Schon vor über 100 Jahren mussten Unternehmen Wege finden, mit begrenzten personellen Ressourcen eine wachsende Nachfrage zu bedienen. Dabei entstanden Lösungen, die unsere Arbeitswelt bis heute prägen.
Allerdings zeigt die Geschichte auch: Eine Maschine allein macht noch keinen besseren Arbeitsplatz.
Ein Auto bauen bedeutete Anfang des 20. Jahrhunderts viel Handarbeit. Bei Ford bewegten sich die Arbeiter während der Montage um das Fahrzeug, Material musste bereitgestellt und jeder Arbeitsschritt mit dem nächsten abgestimmt werden.
1913 änderte sich das grundlegend. Im Werk Highland Park führten Henry Ford und sein Team die bewegte Fliessbandmontage ein. Nun kam das entstehende Fahrzeug zu den Arbeitern. Die Montage wurde in klar definierte Schritte aufgeteilt, die jeweils an einer festen Station ausgeführt wurden.
Bis Mitte 1914 sank die Montagezeit eines Model T von rund zwölfeinhalb Stunden auf schlanke 93 Minuten.
Der entscheidende Fortschritt lag dabei in der Organisation: Wege wurden kürzer, Handgriffe wiederholbar und die Übergabe zwischen den Arbeitsschritten planbar. So konnte Ford die Produktion erheblich steigern.
Doch der Erfolg hatte eine Kehrseite. Viele Arbeiter empfanden die immer gleichen Tätigkeiten und das vorgegebene Tempo als belastend. Sie verliessen das Unternehmen. Die effizientere Produktion hatte damit ein neues Personalproblem geschaffen. Ford reagierte 1914 mit einem höheren Tagesverdienst und kürzeren Schichten.
Die Geschichte zeigt damit auch: Effizienz muss mit guten Arbeitsbedingungen zusammengehen.
Bild: Ford Motor Company, Werk Highland Park, 1913.
Quelle: Library of Congress, via Wikimedia Commons.
Während in Fabriken die Produktion neu organisiert wurde, wuchs in den Büros eine andere Herausforderung:
Immer mehr Geschäft bedeutete immer mehr Informationen.
Ein besonders anschauliches Beispiel liefert das britische Unternehmen J. Lyons & Co. Seine rund 200 Tearooms verkauften damals erfolgreich Getränke, Backwaren und Mahlzeiten.
Hinter Tee und Kuchen steckte eine anspruchsvolle Organisation: Waren mussten kalkuliert, Bestände verwaltet, Lieferungen geplant und Löhne berechnet werden.
Lyons erkannte dabei früh das Potenzial elektronischer Rechner. Das Unternehmen unterstützte die Entwicklung des Computers EDSAC an der Universität Cambridge und baute darauf aufbauend eine eigene Maschine: LEO, kurz für «Lyons Electronic Office».
1951 trat LEO I in Erscheinung. Zu seinen ersten betrieblichen Aufgaben gehörte die Berechnung von Warenkosten und Gewinnmargen. Später übernahm er auch Aufgaben in der Lohnabrechnung, Bestandsverwaltung, Rechnungsverarbeitung und Planung.
Eine simple Teestubenkette mit berühmten Kuchen gehörte somit zu den frühen Anwendern betrieblicher Computertechnik. Der Anlass war ausgesprochen praktisch: Ein wachsendes Unternehmen brauchte eine leistungsfähigere Verwaltung.
Bild: Ein historischer englischer Battenberg Cake von Lyons.
(Quelle: Phsyco ant, via Wikimedia Commons, public domain)
Interessant dabei: Früher gab es den Kuchen auch mit 9 oder sogar 25 Feldern.
Der Lebensmittelhistoriker Ivan Day vermutet, dass sich die einfachere Variante
mit 4 Feldern durch industrielle Bäckereien wie Lyons erst stark verbreitete, denn:
Sie liess sich leichter am Fliessband herstellen.
Mehr darüber unter: Ivan Day: Battenberg Cake - The Truth. Food History, 2011.
Wie Computer die Unternehmensplanung veränderten, haben wir bereits im Beitrag über Joseph A. Orlicky erzählt.
Orlicky prägte in den 1960er Jahren die computerisierte Materialbedarfsplanung, kurz MRP. Sie berechnete anhand des Produktionsprogramms und der Stücklisten, welche Materialien wann und in welcher Menge benötigt wurden. Sein 1975 erschienenes Buch trug zur Verbreitung des Ansatzes bei.
Der Computer machte Berechnungen praktikabel, die von Hand sehr aufwändig gewesen wären. Aus MRP entwickelten sich über weitere Ausbaustufen die heutigen ERP-Systeme.
Diese Entwicklungen hatten unterschiedliche Auslöser. Gemeinsam ist ihnen jedoch dasselbe Prinzip: Wenn man Abläufe verbessert und wiederkehrende Aufgaben technisch unterstützt, kann mehr Arbeit bewältigt werden.
Natürlich lässt sich der heutige Fachkräftemangel nicht mit der Situation einer Autofabrik von 1913 gleichsetzen. Doch die historischen Beispiele regen zu einer aktuellen Frage an:
Wie viel unserer knappen Arbeitszeit fliesst eigentlich in Tätigkeiten, die sich vermeiden liessen?
Eine erbrachte Leistung wird erfasst, später für eine Auswertung übertragen und schliesslich nochmals für die Rechnung zusammengestellt. Informationen liegen in verschiedenen Anwendungen. Bei Rückfragen beginnt die Suche nach dem aktuellen Stand.
Jeder einzelne Schritt mag nur wenige Minuten beanspruchen. Über viele Mitarbeitende, Projekte und Monate entsteht daraus aber doch ein beträchtlicher Aufwand.
Genau hier setzt prima an. Unsere Software verbindet Zeit und Leistungserfassung, Projektmanagement, Ressourcenplanung und Fakturierung in einem durchgängigen System. Einmal erfasste Informationen stehen für die nächsten Schritte bereit. Das reduziert administrative Aufgaben und schafft Kapazität im bestehenden Team.
Die nächste Verstärkung für Ihr Team muss also nicht zwingend eine neue Fachkraft sein. Manchmal ist es nur die passende Software.
ORF: Die Revolution am laufenden Band. ORF.at, 2013.
Wikipedia: Henry Ford.
ARD alpha: Henry Ford: Erschwingliche Autos vom Fliessband. Aktualisiert 2024.
Peter Bird: J. Lyons & Co.: An electronic history. Historische Website zur Unternehmensgeschichte, 2002.
Archives of IT: LEO: The world’s first ‘Electronic Office’.
BBC News: How a cake company pioneered the first office computer. 2019.
Wikipedia: LEO 1.
Ivan Day: Battenburg Cake: The Truth; Battenburg Cake Revisited, or Neapolitan Roll Rediscovered. Food History Jottings, 2011.
Mina Bösiger: Kennen Sie Joseph Orlicky?. AGIS, 2024.